Pädakustiker = auf Kinder spezialisierter Hörgeräte-Akustiker
Anpassung mit besonderen technischen Möglichkeiten z.B. der In- situ-Messung, Real-Ear-Messung


Was macht eine gute Hörgeräteversorgung bei Kindern aus?

1. Überblick:

Die beidseitige Hörgeräteversorgung bei Kleinkindern ist ein komplexer und andauernder Vorgang, der eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kind, Pädaudiologen und Pädakustiker benötigt. Ideal ist es wenn dies an einem Ort stattfinden kann, so dass den Eltern und kleinen Patienten unnötige Wege erspart werden und somit schneller ein Erfolg mit der Hörgeräteversorgung erzielt werden kann. So ist das Merkmal einer guten pädaudiologischen Betreuung, die Integration von erfahrenen Pädakustikern ins Team, um eine optimalen Ausgleich der Hörstörung zu gewährleisten, so wie wir es in unserem Zentrum seit 1987 praktizieren.
Bei der Hörgeräteversorgung von Kindern hat der Pädakustiker viele Aufgaben zu erfüllen, da es sich um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess bei der Hörgeräteversorgung handelt.
In der Anfangsphase muss sich über viele Wochen und Monate der Pädakustiker intensiv um seinen kleinen Patienten kümmern. Eine Hörgeräteanpassung ohne nachfolgende dauernde Kontrolle und Nachregulierung wird dem kindlichen Hörschaden nicht gerecht und ist daher abzulehnen.
Hörgeräte sollten nicht “unsichtbar” sein. Bunte Hörgeräte und Ohrpassstücke sind nicht nur schöner anzusehen; sie helfen Ihrem Kind, die Hörhilfen selbstbewusst zu tragen. Auch für Fremde sind bunte Hörhilfen sofort sichtbar, so dass die sprachliche Kommunikation leichter ablaufen kann.
Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind sich innerhalb weniger Tage an die neuen Hörgeräte gewöhnt und nun automatisch alles besser hört.
Im Gegenteil: In der Zeit der ersten Gewöhnung wird der Hörgeräte-Akustiker die Hörgeräte eventuell leiser einstellen, damit Ihr Kind sich allmählich an das Mehr-Hören gewöhnen kann, und dann nach und nach die Hörgeräte in der Lautstärke nachregeln.
Lassen Sie sich vom Hörgeräte-Akustiker ein Stethoclip geben, mit welchem auch Sie mit den Hörgeräten hören und herausfinden können, ob der Klang gleichbleibend ist. Diese Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Hörgeräte machen Sie am besten täglich, denn die beste Hörerziehung taugt nichts, wenn die Hörgeräte nicht einwandfrei funktionieren.
Die Ohrpassstücke sollten Sie gelegentlich über Nacht in einer Reinigungsflüssigkeit säubern.
Hören Sie in einem Hörgerät statt des gewohnten Klangs ein Knacken oder Rascheln, so testen Sie zunächst einmal die Batterien mit einem Batterietester. Gewöhnen Sie sich an einen regelmäßigen Turnus für das Wechseln der Batterien, damit Sie wissen, wie lange eine Batterie hält.
Wenn Sie ein defektes Hörgerät zur Reparatur geben, so muss es danach wieder genau auf die Hörfähigkeit Ihres Kindes eingestellt werden. Den Hörgerätepass sollten Sie daher immer griffbereit haben und auch mit in den Urlaub nehmen, denn nicht immer ist „Ihr“ Hörgeräte-Akustiker erreichbar.


2. Warum ist es wichtig einen Pädakustiker zu suchen?

Die Hörgeräteversorgung von Kleinkindern benötigt, Fachwissen, besondere Ausstattungsmerkmale des Akustikers, viel Erfahrung, eine funktionierende Kooperation mit Pädaudiologen und den Pädagogen, Einfühlungsvermögen.

Allgemeine Merkmale eines guten Pädakustikers können sein:
• der Pädakustiker hat sich auf Hörgeräteversorgung bei Säuglingen und Kleinkindern besonders eingestellt z.B. > 100 Kinder / Jahr versorgt.
• die Geschäftsräume haben eine angemessene Raumgröße für die kleinen Patienten
• eine kindgerechte Ausstattung ist vorhanden
• Personal und Terminplanung sind darauf eingestellt, dass die Hörgeräteversorgung bei jedem Kleinkind ein aufwendiger Prozess ist, der intensive und regelmäßige Überprüfungen erfordert.
• der Pädakustiker ist ein aufmerksamer Beobachter und Zuhörer

3. Wichtige Punkte beim Ablauf einer Hörgeräteversorgung:

• genügend Zeit für die erste Kontaktaufnahme
• beim abformen der Abdrücke für die Ohrpassstücke wird erklärt, welches Material hierfür verwendet wird, dass einige Kinder gegen bestimmte Materialien Allergien entwickeln, das die Eltern auf Hautreizungen und Allergien im Gehörgang achten sollen
• Information / Anleitung die Ohrpassstücke auf Dichtheit, Tragekomfort zu überprüfen und wie sie und das Hörgerät zu pflegen sind
• Hörgeräte werden mit Audio• Eingang ausgewählt, um unproblematisch später eine drahtlose Übertragungsanlage anpassen zu können.
• die Funktionsweise der Hörgeräte, ihre Wartung und Pflege wird erklärt
• Einweisung in das Rückkopplungsphänomen
• die Hörgeräte werden kindgerecht angepasst:
• Kinderwinkel für einen besseren Sitz der Hörgeräte an den kleinen Ohren;
• Verstellschutz für den Lautstärkeregler, damit die Schalterstellung nicht unbeabsichtigt verändert wird
• Batteriefachsicherungen gegen unbeabsichtigtes Öffnen und Verschlucken
• Hornschläuche;
• Ohrhalterungen für die Hörgeräte.
• Durchführung von In• Situ• Messungen im kindlichen Ohr durch, um u bestimmen welche tatsächliche Verstärkung am Trommelfell ankommt
• die Hörgeräte können zur Probe getragen werden
• es besteht eine enge Kooperation mit dem Pädaudiologen, um den Eltern unnötige Wege zu ersparen und falls die Hörgeräteauswahl durch die pädaudiologische Stelle nicht nachvollziehbar ist so setzt der Pädakustiker sich direkt mit den Ärzten in Verbindung
• es wird informiert, wie in den folgenden Tagen und Wochen die Hörfähigkeit des Kindes mit diesen Hörgeräten überprüft werden kann. Diese Hinweise gibt es in schriftlicher Form und im persönlichen Gespräch erläutert.
• Nach abgeschlossener Hörgeräteversorgung händigt er Ihnen einen Hörgerätepass aus und notiert darauf den nächsten Kontroll- und Besprechungstermin.
• auf dem Hörgerätepass werden mögliche Schwierigkeiten bei der Hörgeräteversorgung festgehalten, die beim nächsten Besuch zu besprechen sind
• In einem ausführlichen Beratungsgespräch, das ein bis zwei Wochen nach der Erstausgabe der Hörgeräte angesetzt wird, bespricht er mit Ihnen Ihre Beobachtungen des kindlichen Verhaltens nach der ersten Erprobung der Hörgeräte. Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr Kind mit den Hörgeräten nicht besser hört, so überprüft er die Hörgeräte bzw. die Hörgeräteeinstellung und tauscht die Geräte gegebenenfalls aus. Eventuell ist auch eine Nachuntersuchung in der Pädaudiologie erforderlich.
• Mindestens alle drei Monate - bei Kleinkindern auch häufiger - setzt er einen Kontrolltermin an für die Überprüfung der Hörgeräte durch In-Situ-Messungen, für eventuelle Nachregulierungen auf die derzeitige Hörreaktion und für die Überprüfung der Ohrpassstücke, der Schläuche, der Batteriekammern usw.
• Er berät Sie nach einer angemessenen Zeit der Gewöhnung an die Hörgeräte über mögliche Zusatzgeräte - insbesondere über Zusatzmikrofone und FM-Anlagen für die frühe Sprachentwicklung
• und gibt diese für mehrere Wochen zur Probe aus. Ebenso hält er Sie auf dem laufenden in Bezug auf technische Neuerungen.
• Wenn ein Hörgerät defekt ist, dann sollte der Pädakustiker Ihnen für die Übergangszeit ein baugleiches Leihgerät ausgeben.

4. Überprüfung des Hörgewinns bei Ihrem Kind

Es ist nicht leicht, bei einem Kleinstkind zu „testen“, ob es mit diesem oder jenem Hörgerät besser hört. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind besonders genau beobachten, wenn es neue Hörgeräte erhalten hat.

Zum einen können Sie das allgemeine Verhalten des Kindes beobachten:
• Wirkt es nach Anpassung der neuen Hörgeräte „wacher“? Oder scheint es eher unbeteiligter?
• Wird es in seinen Bewegungen lebhafter? Wendet es sich rascher dem neuen Geschehen zu (Besuch ist gekommen), oder bemerkt es die Veränderung erst später?
• Reagiert es auf bekannte Geräusche, deren Entstehungsort es nicht sieht (Telefon)?
• Wirkt es gereizt, nervös? Weint es mehr als vormals? (Das könnte darauf hindeuten, dass die Hörgeräte nicht richtig eingestellt sind.)
• Beobachtet es Sie genauer, wenn Sie mit bekannten Gegenständen in der Wohnung beschäftigt sind?
• Lautiert es mehr? Ahmt es plötzlich Geräusche oder Stimmen nach? „Redet“ es mehr zu sich selbst als früher?
• Hat es (mehr) Spaß an geräuschvollen Spielen? Oder erschrickt es sich bei neuen Geräuschen?
• Wehrt es sich gegen die Hörgeräte? Reißt es sie gar heraus?
• Wird das Kind am Abend früher müde?

Zum anderen können Sie auch einige „Hörtests“ durchführen.
Achten Sie bei den folgenden Tests darauf, dass das Kind Sie nicht sehen kann. Stehen Sie also hinter ihm oder schräg seitlich. Denken Sie auch daran, dass einige Geräusche Vibrationen hervorrufen können. Dann reagiert ihr Kind darauf, dass es gefühlt oder gespürt, aber nicht gehört hat.

• Rascheln Sie mit Seidenpapier, laut und behutsam.
• Rascheln Sie mit Zeitungspapier, laut und behutsam.
• Murmeln Sie mit hoher und tiefer Stimme.
• Lassen Sie einen Wasserhahn stark und schwach laufen.
• Drehen Sie die Musik aus dem Radio laut und leise.
• Machen Sie diese Geräusche auch einmal zusammen mit Nebengeräuschen

Ling-Test:
( 5 Sound Ling Test)
Dieser sehr einfach durchzuführende Test, liefert sehr verlässliche Aussagen. Die Sprachlaute a / i / u / sch / und / s / repräsentieren den gesamten Frequenzbereich, den man Hören muss, will man die Lautsprache verstehen. Das Kind sollte in der Lage sein, diese fünf Laute akustisch voneinander zu unterscheiden.
Dem Kind wird jeweils mit normaler Sprechlautstärke ein Laut vorgesprochen. Der Abstand vom Kind kann dabei individuell festgelegt werden. Je nach Alter und Sprachkompetenz zeigt das Kind an, ob es den Laut gehört hat oder es spricht den Laut einfach nach. Kann das Kind alle Laute gut diskriminieren, können wir davon ausgehen, dass es aus audiologischer Sicht in der Lage ist, die wichtigsten auditiven Elemente der Lautsprache zu hören.

Bei der Überprüfung der Hörgeräte mit einem Stethoclip, dem Mikrophon des CI’s und der Höranlagen durch einen Einsteckhörer, sollte darauf geachtet werden,

• dass alle fünf Sprachlaute ohne störende Verzerrung gehört werden
• die drei Vokale sollten gleich laut gehört werden
• die Konsonanten müssen deutlich erkennbar sein
• ist ein unnatürlich hohes oder tiefes /sch/ zu hören, können unerwünschte Resonanzen vorliegen, die behoben werden sollten
• jeden Laut, den wir nicht hören, hört das Kind natürlich auch nicht!