Verspäteter Sprachbeginn – „Late-Talker“?

Wenn zweijährige Kinder einen deutlich reduzierten aktiven Wortschatz aufweisen oder der Wortschatzerwerb stagniert bzw. sehr langsam verläuft und keine primären Gründe (wie z. B. eine Hörstörung, allgemeine Entwicklungsverzögerung oder andere organische Ursachen) vorliegen und später die Defizite aufholen, spricht man von sog. „Late-Talkern“.

Wenn ein zweijähriges Kind z.B. weniger als 50 Wörter aktiven Wortschatz aufweist, sollten die Sprachleistungen und deren Voraussetzungen geprüft werden.
Je nach Befund gibt es dann verschiedene Förderoptionen:
  • Kontrollen und abwartende Haltung wenn aufgrund der Befunde zu erwarten ist, dass in den nächsten 6 Monaten ein Sprachentwicklungsspurt einsetzen müsste /Sinnesorgane und Basis der Sprachentwicklung sind unauffällig)
  • eine „Sprachanbahnung“ mit ausführlicher Elternanleitung durch einen Logopäden/Sprachtherapeuten
  • führen eines „Wortschatztagebuches“ durch die Eltern von Vorteil, damit Sie einen Überblick über die von Ihrem Kind bereits benutzten Wörter erhalten.
  • bei Verdacht auf eine allgemeine Entwicklungsverzögerung, die verschiedene Bereich der Entwicklung betrifft (z. B. Kognition, Motorik, Spielverhalten, Sozialalter), sollten mögliche Ursachen dafür untersucht werden und eine heilpädagogische Förderung („Frühförderung“) eingeleitet werden.


Was ist noch "normal" an Aussprachestörungen?
(in Anlehnung an Weinrich / Fox)

bis 2;6 Lebensjahre:
  • Auslassung von Endlauten k,n,m,l - Sa statt Sack, Ba statt Ball
  • Nasalierung oral gebildete Konsonanten werden zu Nasalen - Noch statt Loch
  • stimmlos wir zu stimmhaft - De statt Tee

bis 3;0 Lebensjahre
  • Auslassung von Anfangslauten- okodil statt Krokodil; - a:l statt Schal,
  • Verhärtung: dak statt Dach
  • Deaffrizierung: Verschlussengelaute werden durch Reibe-Engelaute ersetzt sug statt zug;
  • Öffnung: Ersetzung durch /h/ hok statt Rock, Holler statt Roller;
  • Rückverlagerung: z.B Reibelaute Tiche statt Tische

bis 3;6 Lebensjahre
  • Auslassung unbetonter Silben - nane statt Banane

bis 4;0 Lebensjahre
  • Auslassungen Gepenst statt Gespenst, elaufen statt gelaufen;
  • Auslassung von l nade statt Nadel;
  • Vorverlagerung - Verschlusslaute zu Reibelauten tanne statt kanne; tommt kommt
  • Angleichungsprozesse (assimilation) :
  • regressiv fif statt schiff
  • Kontaktangleichung tr - kr kreppe statt treppe

bis 4;6 Lebensjahre
  • 1. Reduktion von Mehrfachkonsonanz:
    Konsonant 1 l / r; fl /fr - bett statt brett, fiege statt fliege
  • auf den 2. Kosonanten sch +K z+w - wein statt schwein, werg statt zwerg
  • Reduktion auf K2,3 sch+Plosiv+R - pritse oder ritze statt spritze
    Reduktion wortmedial zeba statt zebra
  • Reduktion wortfinal a:z statt arzt
  • Fortisierung = Entstimmmlichung
  • Verschlusslaute in Konsonantenverbindungen werden fortisiert plume statt blume, krachen statt drachen